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Quadrant4

Schule ändern

Unterrichtsentwicklung

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Inhalt:
  1. Problemaufriss
  2. Handwerkszeug: Die Operationalisierung
  3. Standardbasierte Unterrichtsplanung
  4. Prinzipien der Unterrichtsentwicklung
  5. Unterrichtsentwicklung konkret

a. Unterrichtsentwicklung als Methodencurriculum

b. Unterrichtsentwicklung als Soziales Lernen / Kooperatives Lernen


1.Problemaufriss

Wie bei dem Kapitel Schulentwicklung bereits angesprochen, ist das Gelingen von Schulentwicklung entscheidend mit der Verbesserung der Qualität von Unterrichtsprozessen und der Gestaltung der Interaktionen verbunden. Auch die bereits zitierten Zürcher Untersuchungen rücken den Stellenwert von Unterricht in den Vordergrund:

Die Resultate zeigen,

Das gilt negativ wie positiv: Die Qualität des Unterrichts, nicht einfach dieser selbst, kann den Lernfortschritt fördern oder behindern, je nachdem, ob im Prozess gute oder schlechte Qualität entwickelt wird. (J. Oelkers a.a.O. S. 65)

Definition: Unterrichtsentwicklung

Hinweismeint die von der gesamten Lehrerschaft, aber auch vom einzelnen Lehrer und von der einzelnen Lehrerin ausgehenden Initiativen zur Veränderung des Unterrichts zum Zwecke der Optimierung:

  • Im Hinblick auf Erfolg, Effizienz,
  • aber auch im Bezug auf Motivation und Interesse des Lehrens und Lernens.

Unterrichtsentwicklung betrifft den Unterricht als das eigentliche pädagogische Handeln in der Schule.

Dazu gehören:

  • neue Unterrichtsinhalte,
  • neue Unterrichtsmethoden,
  • neue Unterrichtsformen ( Einbezug von Experten, Projektunterricht, Freiarbeit, Wochenplan, Methodentraining,...),
  • selbstgesteuertes, überfachliches, ganzheitliches, nachhaltiges Lernen,
  • problemlösendes, fächerübergreifendes Lernen,
  • handlungsorientiertes Lehren und Lernen,
  • Schulung des vernetzten Lernens,
  • Lehren und Lernen mit neuen Medien,
  • Begabtenförderung,
  • Werteerziehung,
  • Weiterentwicklung von sozialen Kompetenzen

Quelle: www. leu.bw.schule

 

Wenn Sie jetzt zum Kapitel 2. Unterrichten zurück gehen, können sie sich noch einmal kritisch mit den den Merkmalen guten Unterrichts auseinandersetzen.

Faktoren, die sich auf die Qualität von Unterricht auswirken

 

FragezeichenZum Überlegen

 

Um wieder einen Überblick über das wichtige Merkmal "class -management" zu erhalten, können sie die folgende Tabelle nehmen und sich übelegen, welche Führungsaufgaben sie entsprechend den 6 Thesen bereits bewältigten!

Führungsqualitäten im pädagogischen Feld

Die politische Diskussion um die Leistung unseres Bildungssystems nach den großen internationalen Vergleichsstudien rückt zur Zeit den „output“ der Schulen in den Vordergrund. Die Schulen müssen sich jetzt der z.T. als anrüchig betrachteten Frage stellen, ob in der Schule auch tatsächlich „effektiv gearbeitet“ wird. Dieser Außenbeobachtung gegenüber kann eine Innenbetrachtung helfen, Vorurteile abzubauen. Strukturierte Beobachtung gehört deshalb mit zum wichtigsten Rüstzeug eines jungen Lehrers.

1.These:

Unterrichten steht im Spannungsfeld „Umgang mit Menschen um ein Ergebnis zu erreichen“. (Quadrant 1).

2.These:

Um Unterrichten zu ermöglichen, sind die sozialen Bedingungen im Spannungsfeld Menschen - Werte zu berücksichtigen. (Quadrant 2).

3.These:

Als Mittel zur Gemeinschaftsbildung sind nur kommunikative Mittel vorhanden. Neben Stabilität erlaubt dies auch dem gesellschaftlichen Wandel zu folgen. (Quadrant 3).

4.These:

Unterrichten ist ein Wagnis, das bewährte alte Strukturen der Schüler an neue Verhältnisse anpasst bzw. dem Lernenden helfen, neue Erfahrungen zu machen, neues Wissen aufzunehmen.

Dimensionen 25.These:

6.These:

 

Weil die Orientierung an Standards als neues Werkzeug zur Qualitätssicherung eine immer größer werdende Bedeutung besitzt, werden sie noch einmal in Ihrer Bedeutung für Sie dargestellt.

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2. Handwerkszeug:
Die Operationalisierung

Standard

 

Kompetenz

Kriterium

Indikator

Fachkompetenz

kennt Stand der Wissenschaft

verwendet Fachbegriffe richtig

stellt Zusammenhänge richtig dar

 

 

 

kennt Unterschiedliche Modelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fachdidaktische Kompetenz

kennt das problemorientierte Verfahren nach...

kann Grundzüge X,Y,Z darstellen.
Führt U. problemorientiert durch: stellt Problem an Anfang der Stunde, lässt Vermutungen formulieren, ...


 

   
   
   

 

 

 

   
   

 

 

 

 

Dimensionen_z

a. Das Unterrichten im Fokus

In diesem Quadranten wurden Kompetenzen ausgebracht, die stärker auf die Qualität des Wissenserwerbs abhebt. Jede einzelne dieser Kompetenzen lässt sich an verschiedenen Kriterien festmachen.

Der Standard „kann Wissen vermitteln“ z.B. setzt Fachkompetenz und fachdidaktische Kompetenz des Lehrers /der Lehrerin voraus. Fachkompetenz zeigt sich an verschiedenen Kriterien:


Beobachtbar im Unterricht sind jedoch nur die Indikatoren:


Dies lässt sich auch an den anderen Kompetenzen durchspielen. Die in Pisa festgestellte fehlende Diagnosekompetenz deutscher Lehrer beinhaltet u.a. als Kriterien:


Beobachtbar
sind beim Unterrichten nur: der Einsatz eines Verfahrens, dessen Auswertung und die konkrete Förderung nach Plan.
Für die metakognitiven Kompetenzen ist es notwendig, dass der Lehrer verschiedene Lernstrategien und Reflexionsformen (Kriterium) kennt und auswählen kann,...

Die hier herausgearbeiteten Felder entsprechen den empirisch herausgearbeiteten Kategorien von Bauer, Kopka & Brindt und den geschilderten Befunden von Helmke und Weinert.

 

Quadrant 2

b. Das Erziehen im Fokus

Die Formen des erzieherischen Einwirkens ist auch immer mit der Persönlichkeit der Lehrkraft verbunden, so dass scheinbar die gleichen Handlungen bei Schülern/innen oft unterschiedlich wirken.
Umgekehrt sollte auch eine sehr gute Kenntnis der Schülerpersönlichkeiten vorhanden sein, damit eine erzieherische Maßnahme maßgeschneidert wirkt.
Wenn Lehrerverhalten also beobachtet und analysiert werden soll, ist es immer auf Kontextangemessenheit zu überprüfen.

Zur Beobachtung geeignet sind vor allem
prozedurale Verfahren:

Da für die erzieherische Dimension viele Beschreibungen vorliegen, soll hier auf eine weitere Darstellung verzichtet werden.
Zu bedenken bleibt jedoch, dass jede Lehrkraft die sozialkompetente Schüler erziehen will, selbst sozialkompetent sein sollte. (Stichworte: Kongruenz, Lehrerpersönlichkeit )

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3. Standardbasierte Unterrichtsplanung

Wenn durch die Einführung der Bildungsstandards in BW 2004 wirklich der Unterricht verändert werden soll, bedarf dies nach Böttcher (Vortrag 2006 in Stuttgart) eines Umdenkens bei der Unterrichtsgestaltung, damit nicht die "alte Unterrichtsplanung und das alte Unterrichten" mit neuer Terminologie fortgesetzt wird.

Wenn sie die Gegenüberstellung in der Tabelle betrachten, finden sie die wesentlichen Unterschiede kurz zusammengefasst.

 

herkömmliches Planungsmodell standardbasierte Planung
1. Thema wird von Lehrkraft ausgewählt. 1. Lehrkraft wählt zu schulenden/ unterrichtenden Standard aus.
2. Unterrichtseinheit wird entworfen, Methoden eingeplant, ...

2. Aus dem Standard werden die beobachtbaren Tätigkeiten der Schüler und die zur Verfügung zu stellenden Hilfsmittel abgeleitet, die die Lehrkraft erkennen lassen: "Der Schüler hat den Standard erreicht!"

Eine weitere wichtige Frage in dieser Phase ist auch: "Kann jeder Schüler diesen Standard erreichen?"

3. Durchführung der Unterrichtseinheit

4. Jetzt erst erfolgt die eigentliche Unterrichtsplanung und die Durchführung des Unterrichts.

4. Nach Abschluss der Unterrichtseinheit wird ein Test entwickelt.
Oft fließen Erfahrungen aus der Durchführung mit ein: "war zu schwer... ", die die Lehrkraft veranlassen, den Test in bestimmte Richtungen zu verändern.
3. Vor dem Unterrichten entwickelt die Lehrkraft eine Leistungsüberprüfung, die nach der Unterrichtseinheit in dieser Form auch durchgeführt wird.
5. Rückmeldung, häufig nur in der Form von Noten

5. Mit den Ergebnissen der Leistungsüberprüfung ist eine Rückmeldung an die Schüler aber auch an die Lehrkraft verbunden: "Hab ich die angemessenen Verfahren, ... eingesetzt?"

Eine Feinanalyse ist für Schüler, die den Standard nicht erfüllt haben, zwingend notwendig.

6. Manchmal Förderung, häufiger jedoch: Neues Thema 6. Aus der Feinanalyse werden bei Mindeststandards (" Diesen Standard müssen alle Schüler erreichen") Fördermaßnahmen entwickelt.
Erst wenn der Standard erreicht wurde , können nach Böttcher neue Standards in Angriff genpommen werden.
vergl. Böttcher a.a.O. S. 701 ff

Die Orientierung an Standards für den Unterricht könnte einen für die Schule "revolutionären Charakter" besitzen, wie in manchen Zeitungen beschrieben wurde, der leicht übersehen wird. Wenn die Schule verpflichtet ist, allen Schülern die Kompetenzen beizubringen/ die Schüler bei deren Erwerb zu unterstützen, dann besteht u. U. auch ein Rechtsanspruch der Eltern/Schüler auf Erfüllung.
Auch wenn diese Vorstellung noch weit gegriffen sein mag, bedeutet dies, dass Standards das Recht auf Bildung und damit die Gestaltung des Unterrichtes erheblich beeinflussen könnten.

Begleitende Instrumente

Doch Standards allein, sind nur ein Instrument. Benötigt wird ein ganzes Konzert zur Unterrichtsentwicklung. Zur "standard - based - reform" , wie sie in den USA durchgeführt wurde, zählt Böttcher folgende Instrumente:

Autonomie der Schule
Die Schulen sind im erhöhten Umfang selbstständig. Die Anpassung an das individuelle Umfeld bedingt als Gegengewicht, eine höhere Verbindlichkeit von Standards (Kerncurriculum).
Kerncurricula
"Standards bilden die Basis für die im Klassenzimmer verwendeten Curricula. Wenn die Standards klar und präzise sind, ist es relativ leicht, auf ihrer Grundlage Kerncurricula zu entwickeln, die für alle Schüler verbindlich sind. Es ist durchaus vorstellbar, dass die einzelne Schule Autorin ihrer Kerncurricula wird. Bei starken Standards dürften die Kerncurricula innerhalb einer tolerablen Bandbreite relativ einheitlich ausfallen. Mit der Unklarheit und Allgemeinheit der Standards wächst allerdings die Beliebigkeit der in schulischer Autorenschaft entstehenden Curricula. Ungleiche Kerncurricula aber wären ein großes Problem, weil starke Standards ja programmtisch für alle Schüler/innnen gelten. Nur durch die Verpflichtung auf harte Standards ließe sich vermeiden, Kinder aus bildungsfernen Schichten durch verwässerte Curricula zu unterfordern und sie systematisch vom erfolgreichen Lernen anspruchsvoller Inhalte auszuschließen."
 
Böttcher a.a.O. S. 702 ff.
Leistungsmessung und Förderung
Die Leistungsmessung orientiert sich an den Kriterien.
Rechenschaft;
Lehrer wie Schüler werden rechenschaftspflichtig: "Warum haben wir diesen Standard nicht erreicht?"
"Lehrer/innen und Schüler/innen werden zu belegen haben, warum es nicht möglich war, alle Schüler/innen zum Standard zu führen. Liegen gute Gründe vor, rechtfertigt das den Einsatz zusätzlicher Hilfen für diese Schüler/innen und ihre Lehrer/innen."
Böttcher a.a.O. S., 703
Lehrerbildung
Vorrang zur Umsetzung von Standards hat die Fortbildung aller aktiven Lehrkräfte, da die Umsetzung durch die Hochschulen aller Erfahrung nach erst nach 5-10 Jahren wirksam wird.
Zielsetzungen für eine neue Unterrichtskultur:

HinweisZiele der Bund- Länder - Kommission für die Entwicklung eines Zukunft ermöglichenden Unterrichtsstils:

  • der "neue" Unterricht ermöglicht langfristiges Lernen (nicht nur die nächste Klassenarbeit) .
  • baut den fragend-entwickelnden Unterricht ab.
  • nimmt das Vorwissen und Erfahrungen der Schüler deutlicher auf,
  • verstärkte Eigenaktivität zulässt.
  • berücksichtigt individuelle und soziale Sinnkonstitution.
  • sichert Basiswissen – ermöglicht verständnisvolles Lernen auf unterschiedlichen Niveaus.
  • macht Zuwachs von Kompetenz erfahrbar: Kumulatives Lernen.
  • stärkt Verantwortung für das eigene Lernen.
  • lässt aus Fehler lernen .
  • prüft und erfasst Kompetenzzuwachs und meldet ihn zurück.
  • entwickelt Aufgaben für die Kooperation von Schülern.
  • sichert die Qualität durch schuleigene/schulübergreifende Standards.
  • macht Fächergrenzen sichtbar.
Quelle: BLK-Projekt (H.B.)

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4. Prinzipien der Unterrichtsentwicklung

Wie wir bereits in Kapitel 2 gesehen haben gibt es "den ganz bestimmten guten Unterricht" nicht und kann ihn auch nicht geben. Trotzdem ist die Auseinandersetzung um "guten Unterricht" im Kollegium an einer Schule von ganz besonderer Bedeutung:

Unterrichtsentwicklung ist ein fortlaufender, nie endender Prozess!

Literatur

 

Böttcher; W. (2006): Outputsteuerung durch Bildungsstandards. In: Buchen, H. &. Rolff, H. - G.: (Hrsg.; 2006): Professionswissen Schulleitung; S. 673 - 710.


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